Die deutsche Sprache weiß sehr gut, wie sensibel unsere Haut für Stimmungen und Gefühle ist: wir werden „rot vor Scham“, „blass vor Angst“ und etwas geht uns „unter die Haut“. Wir schätzen uns glücklich, wenn wir ein „dickes Fell“ haben, und leiden darunter, wenn wir zu „dünnhäutig“ für diese Welt sind.
Die Haut ist ein Spiegel der Seele und vielleicht nach dem Gehirn das wichtigste Organsystem. Wie schlimm es sein kann, wenn diese Haut krank ist, wenn sie juckt, Schuppen bildet oder stark gerötet ist, wissen jene Menschen am besten, die an der Schuppenflechte oder an Neurodermitis leiden. Für alle Betroffenen wurde am vergangenen Dienstag ein Informationsnachmittag im Haus der Bezirksgemeinschaft in Schlanders mit Hilde Platzgummer, Leiterin der Selbsthilfegruppe Psoriasis und Neurodermitis/UVZ (PSO) von Bozen, veranstaltet.
Die Schuppenflechte, medizinisch Psoriasis genannt, ist eine chronische Hautkrankheit, die schuppige und entzündete Hautschäden verursacht. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen, das Alter liegt normalerweise zwischen 15 und 35 Jahren. Die Anlage zur Psoriasis ist vererbt. Allerdings gibt es einige Faktoren, die das Risiko der Erkrankung erhöhen; dazu gehören vor allem akute Entzündungen, schädliche Medikamente sowie bestimmte psychische Belastungen wie Trauer, Schmerz, Unfall, Prüfungsangst und Partnerschaftsprobleme.
Bei der Schuppenflechte spielen die Hautzellen verrückt; sie erreichen nach ihrer Entstehung im tieferen Hautgewebe schon nach vier Tagen die Oberfläche – im Unterschied zu normalen Zellen, die dafür 30 Tage benötigen. Als Folge dieser schnellen Hautzellenbildung kommt es zu heftigem Juckreiz und starker Schuppenbildung. Gerötete, silbrig schuppende Entzündungen, vor allem an den Streckseiten von Beinen und Armen, an der Kopfhaut, auf dem Rücken und an den Finger- und Fußnägeln sind die Folge.
Die Schuppenflechte zeigt starke Zusammenhänge mit den
Witterungsbedingungen. Längere Aufenthalte in so genannten
Reizklimagebieten (Nordsee, Hochgebirge, Totes Meer) können die
Beschwerden oft dauerhaft lindern.
Eine richtige Hautpflege vermag viele Krankheitsschübe bereits im Vorfeld zu lindern.
Auch die Veranlagung zur Neurodermitis wird vererbt, kommt jedoch nur in einem von zehn Fällen an die Oberfläche.
Hauptauslöser sind Allergien und zwischenmenschliche
Konfliktsituationen. Rötung, Schuppung und Nässen vor allem an Gesicht,
Hals, Ellbeugen, Kniekehlen und Ohrläppchenansatz sind das typische
Krankheitsbild. Entscheidendes Symptom der Neurodermitis ist ein
quälender Juckreiz, der die Betroffenen dazu bringt, die sehr trockene
Haut an den befallenen Stellen aufzukratzen. Der Neurodermitiker ist
zumindest innerlich in Unruhe, reizbar, aus dem Gleichgewicht. Es ist
unverkennbar, dass der Erkrankte seelische Belastungen und Stress über
seine Haut austrägt. Einerseits. Andererseits ist es gerade die
Krankheit und der Juckreiz, die die Persönlichkeit prägen und aus dem
Gleichgewicht bringen.
Heidi Pinggera aus Schluderns leidet seit ihrer Geburt an
Neurodermitis, genauer an einem atopischen Ekzem und Kontaktdermatitis.
Sie erinnert sich noch gut, wie ihre Mutter vor dem Schlafengehen
Mullverbände um ihre Arme und Beine gewickelt hat, um das Kratzen im
Schlaf zu verhindern. Noch heute leidet Heidi Pinggera besonders nachts
unter extremem Juckreiz. Bereits als Kind musste sie Cortisoncremen
auftragen, um die Schmerzen zu lindern. „Salben ohne Cortison muss ich
selbst bezahlen, und eine Tube, die eine Woche reicht, kostet 46 Euro“,
bedauert die junge Mutter von 3 gesunden Kindern. Es ist für sie
unverständlich, wieso diese notwendigen Medikamente nicht der
Ticketbefreiung unterliegen. Heinz Wunderer (links) aus Agums und Eduard Spiss aus Schluderns sind
Leidensgenossen. Sie haben beide im Alter von 18 bzw. 19 Jahren die
Schuppenflechte bekommen, leben heute relativ gut damit. Heinz Wunderer
hat nachgeforscht und eine Tante in der 4. Generation gefunden, die
ebenfalls an der Hauterkrankung litt. Sein Rezept gegen Psoriasis sind
mehrwöchige Meeraufenthalte bei jodhaltiger Luft und Bädern im
Salzwasser. Eduard Spiss bekämpft die Schuppenflechte mit Sport und
viel Bewegung an der frischen Luft.
Um die Lebensqualität der Betroffenen unter dem dermatologischen,
sozialen und psychologischen Aspekt zu verbessern, hat sich schon vor
vielen Jahren die „Psoriasis und Neurodermitis Gruppe/UVZ“ in Bozen
gebildet. „Falls sich genügend Interessierte melden, könnte man auch im
Vinschgau eine Selbsthilfegruppe gründen.
Quelle: www.dervinschger.it