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28. Oktober 08

ÖKO-TEST hat mehr als 40 dauerhafte Haarcolorationen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Alle Marken fallen mit ungenügend durch den Test. Dennoch: Es gibt Alternativen!

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Der Verlust der Haarfarbe ist für viele Frauen völlig inakzeptabel, immerhin colorieren sich 60 Prozent ihr Haar. Und ein Blick in Magazine wie Gala oder Brigitte zeigt, es halten eigentlich nur königliche Persönlichkeiten wie Queen Elisabeth, 82, ihre irgendwie zwischen Silberzwiebel und mausgrau changierende Wasserwelle in die Linse der Fotografen. Dagegen werben Schauspielerinnen wie Iris Berben, die Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler und Desperate-Housewives-Star Eva Longoria sogar für die Haarfärbeprodukte von L’Oréal und Garnier. An der Männerfront entdeckt man jedoch Mut zum Grau, straßenkötergrau etwa bei George Clooney, 47, und schlohweiß bei Karl Lagerfeld, 74.

Mehr als die Hälfte der gefärbten Schöpfe hat zum ersten Mal mit 16 Jahren Bekanntschaft mit dem Farbtopf gemacht. Somit steigt natürlich auch die Anwendungsdauer. Denn alle vier bis sechs Wochen müssen der Haaransatz gefärbt und die Haarlängen aufgefrischt werden. Grund: Die permanenten Haarfarben, sie machen 70 bis 80 Prozent des Haarfarbenmarktes in Europa aus, schwächeln unter Sonneneinstrahlung, häufigem Waschen und der Hitze des Föhns. Dabei sind konventionelle Haarfarben eine echte Strapaze fürs Haar. Die Farbcremes enthalten Alkalisierungsmittel. Diese öffnen die Schuppenschicht der Haare, nur so können die Farbpigmente ins Haar eindringen und das Haupt dauerhaft färben. Zudem machen Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid das Haar rau und spröde, es verliert seinen Glanz und muss dann mit Spülungen und Kuren wieder glänzend und glatt getrimmt werden.

Natur statt Chemie?

Die Alternativen zu den Chemiefarben sind Pflanzenhaarfarben. Sie machen das Haar durch den adstringierenden Effekt der enthaltenen Gerbsäuren etwas härter. Solche Naturfarben spielen jedoch in den meisten Friseursalons keine Rolle. "Nur etwa zwei oder drei meiner Friseurschülerinnen in der Klasse arbeiten in Salons, die auch Pflanzenfarben einsetzen. Prüfungsrelevant für die Ausbildung ist der praktische Einsatz pflanzlicher Colorationen auch nicht", erklärt Beate Sehnert, Berufschullehrerin an der Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung. Dabei erfordere das Färben mit Pflanzenhaarfarben viel Erfahrung und Experimentierfreude, eine gute Weiß- und Grauabdeckung sei eigentlich nur mit rotem Henna möglich.

Dieser Herausforderung hat sich Andrea Deuser gestellt. Sie bietet Colorationen mit Pflanzenhaarfarben seit 2004 in ihrem Wiesbadener Salon Hair Image an. Die pulverförmigen Pflanzenfarben rührt sie mit warmem Wasser an und mischt noch Feuchtigkeits- und Proteinprodukte auf Naturbasis unter. Da Henna die beste Deckkraft hat, färbt Deuser für Braunnuancen in zwei Schritten. Zuerst werden die grauen Haare deckend rot gefärbt und darüber quasi eine zweite abmattierende Pigmentschicht gelegt, durch die schöne warme oder kalte Brauntöne erzielt werden. "Früher musste ich oft noch Probesträhnchen bei meinen Kundinnen machen", erzählt Deuser, "heute weiß ich, wie ich bei welchem Haar die gewünschte Farbe hinbekomme." Sie ergänzt: "Meine Kundinnen bekommen mittlerweile viele positive Komplimente für ihr Haar. Es glänzt, sieht vitaler aus, die Farben halten so gut, dass teilweise nur die Ansätze zu färben sind und nicht jedes Mal die Haarlängen". Die Farbe sei zudem individueller, da die grauen und weißen Haare die Farben unterschiedlich stark annehmen und natürlich wirkende Strähncheneffekte entstehen. Der Zeitaufwand für die Kundin ist oft größer als bei chemischen Haarfarben, da das Auftragen der Pflanzenhaarfarbe länger dauert, ebenso die Einwirkzeit. Von den Kosten her seien jedoch beide Techniken vergleichbar: Für kurzes, feines Haar müsse man mit rund 30 Euro rechnen, für langes Haar rund 50 Euro.

ÖKO-TEST hat 41 dauerhaft haltbare Haarcolorationen in Braun- und Rotnuancen sowie ein Produkt zum Nachfärben des Haaransatzes eingekauft und die Inhaltsstoffe beurteilt.


Das Testergebnis

... ist und bleibt - im Vergleich zu unserem letzten Test Haarfarben - sehr unbefriedigend: Alle 42 untersuchten Haarfarben schneiden mit "ungenügend" ab.

Die häufigsten Haarfarben in den getesteten Produkten sind aromatische Amine, von denen viele unter Krebsverdacht stehen (siehe Kasten). Solange der Verdacht nicht ausgeräumt ist, gibt es für diese Farben vier Punkte Abzug.

Viele Haarfarben - dazu gehören das in allen getesteten Marken enthaltene Toluene-2,5-Diamine, das oft eingesetzte m-Aminophenol und auch Resorcin - haben zudem ein erhebliches Sensibilisierung- und Allergiepotenzial. Die weltweit größte Datenbank für Kontaktallergien (IVDK) in Göttingen beobachtete bereits zwischen 1995 und 2002 einen signifikanten Anstieg der Sensibilisierungen gegen Toluene-2,5-Diamine. Aktuelle Daten des IVDK belegen einen weiteren deutlichen Anstieg zwischen 2003 und 2006. Kontaktallergien auf Haarfarben können sehr unangenehm sein, sie reichen von Juckreiz der Kopfhaut, am Hals oder Nacken bis hin zu extremen Rötungen und Schwellungen der Gesichtshaut.

28 Marken kassieren für umstrittene halogenorganische Verbindungen Minuspunkte. In mehr als zehn Marken ist es die Substanz Chlorhexidin und in der Viva Aufregend Lebendige Farben 45 Marone das Methylchloroisothiazolinone. Beide Substanzen machen Kosmetika haltbar, allerdings wirken beide auch allergen.



Perfekter Auftritt

Das neue ÖKO-TEST Kompakt Perfekter Auftritt gibt viele Tipps zum Färben mit Pflanzenhaarfarben zu Hause. Weitere Themen sind u.a Pflege für jeden Haartyp, welcher Stil passt zu mir und Risiken der Schönheitschirurgie. Es erschien am 22. September und kostet 3,90 Euro. Es ist an jedem Kiosk erhältlich, per Tel. 069/365062626 oder direkt unter shop.oekotest.de

Sanfter färben?

Auch wenn die Hersteller sie oft als sanfte Haarfarben bewerben: Tönungen und Intensivtönungen enthalten ebenso wie Haarcolorationen problematische Farbstoffe. Tönungen sind Haarfarben der Stufe 1, sie halten sechs bis acht Haarwäschen. Vereinzelte graue Haare lassen sich damit kaschieren. Intensivtönungen (Stufe 2) überstehen bis zu 24 Haarwäschen. Mit ihnen ist eine leichte Aufhellung möglich, sie decken einen Grauanteil von 50 Prozent ab. Oxidationshaarfarben (Stufe 3) bleiben dauerhaft im Haar. Graue Haare lassen sich mit ihnen komplett abdecken.


Trendfarbe Grau

Diesen Herbst und Winter kann uns nichts grau genug sein. Wir tragen graue Knöchelstiefeletten und Booties, graue Hosen, Blusen und Pullis sowieso und nennen mindestens noch ein graues Accessoire - auf jeden Fall eine Tasche - unser Eigen. Denn: Grau ist das neue Schwarz! Doch als wir letztens das Frauenmagazin Für Sie aufschlugen und mit einer neuen Trendansage konfrontiert wurden, mussten wir erst mal nach Luft schnappen: Grau ist das neue Blond! Die Models, Schauspielerinnen und anderen befragten Karrierefrauen wie die Modedesignerin Gabriele Strehle und die amerikanische Fotografin Annie Leibovitz - alle zwischen 43 und 73 Jahre alt - gestehen da selbstbewusst: Wir haben die ewige Färberei satt. Und sie sehen "natürlich ganz fabelhaft aus" mit ihren Silbersträhnen.

Lösen Haarfarben Krebs aus?

Seit 2001 in epidemiologischen Studien ein Zusammenhang zwischen der Anwendung von Haarfarben und Blasenkrebs festgestellt wurde, erarbeitet die EU eine Positivliste von Farben, benötigt dazu allerdings noch ein bis zwei Jahre. Man könne aber schon heute sagen, so Professor Thomas Platzek, Toxikologe am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass die derzeit in Europa auf dem Markt erhältlichen Haarfarben mit hoher Sicherheit keinen Krebs auslösen.

Professor Klaus Golka, Leiter der Klinischen Arbeitsmedizin an der Universität Dortmund, bestätigt dies vorsichtig: "Bekannte Sünder bei den Haarfarben sind erst mal vom Markt. Derzeitiger Kenntnisstand ist, dass das Krebsrisiko durch derzeit am Markt erhältliche Haarfarben nicht belegt ist. Klare Ergebnisse können aber erst zukünftige epidemiologische Studien zeigen, da die Latenzzeiten für Krebserkrankungen 20 bis 30 Jahre und mehr betragen können."
Auch die International Agency for Research on Cancer (IARC) befreit die Haarfarben nicht vollständig vom Krebsverdacht. So wird die berufliche Exposition bei Frisören - aufgrund von Daten zu Blasenkrebs - als wahrscheinlich kanzerogen für den Menschen eingestuft. Ebenso zeige die persönliche Anwendung von Haarfarben in verschiedenen Studien ein mögliches mäßiges Risiko für Krebserkrankungen des Lymphsystems und für Leukämie. Da die Datenlage insgesamt jedoch widersprüchlich sei, nimmt das IARC hierzu vorerst keine Einstufung vor.

Doch auch wenn die Positivliste fertig ist, wird wohl ein Problem weiterhin ungelöst bleiben. Alle EU-Dossiers zu Haarfarben, es sind mittlerweile mehr als 130, fordern weitere Daten zur fertigen Mixtur aus Farbcreme und Oxidationsmittel. Denn mischt man die Farbcreme, die farblose Farbstoffbausteine enthält, mit dem Oxidationsmittel, reagiert dieses Gemisch auf dem Kopf zu etlichen Zwischen- und Endprodukten, über deren erbgutverändernden Effekte so gut wie nichts bekannt ist.

Quelle: ökotest, Autor: Christine Throl

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