Im Herbst 2009 soll nach einem Beschluss der Bundesregierung Impfstoff für die Impfung von 25 Millionen Bürgern gegen das H1N1-Virus (die sogenannte Schweinegrippe) zur Verfügung gestellt werden.
Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier, Leiter der Europäische Stiftung für Allergieforschung - ECARF, erklärt: "Es besteht kein erhöhtes Allergierisiko auf den Impfstoff." Er beantwortet die Fragen, die sich für Allergiker und Nichtallergiker zur Impfung stellen:
1. Welche besondere Gefahr besteht für Personen mit bekannten Allergien?
Prof. Zuberbier: Grundsätzlich können bei Allergikern die folgenden Nebenwirkungen auftreten.
- Allergiker jeder Altersklasse, die gegen Hühnerei allergisch sind, können bei der Anwendung eines in Hühnereiern gezüchteten Impfstoffs eine akute allergische Reaktion bis hin zu einem allergischen Schock (anaphylaktische Reaktion) erleiden. Es handelt sich dabei um sehr seltene Reaktionen, die einer sofortigen notfallmedizinischen Betreuung bedürfen. Da solche Reaktionen innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Impfung auftreten, sollten alle Personen mit dem Verdacht einer Hühnereiweißallergie mindestens für 30 Minuten nach der Impfung in ärztlicher Überwachung verbleiben.
Bei der Impfung mit einem auf Zellkulturen gewonnenen Impfstoff (Optuflu) treten solche Reaktionen nicht auf, da diese Impfstoffe völlig frei von Hühnereiweißbestandteilen sind.
- Patienten mit einer Neurodermitis (atopische Dermatitis) können in Einzelfällen nach der Impfung innerhalb von 24 bis 48 Stunden eine Verstärkung der Hautentzündung erleben. Dies geschieht durch die gewünschte Aktivierung einer Immunreaktion. Es können aber bei Bedarf Antihistaminika oder Cortison-Cremes verwendet werden, ohne den Impferfolg zu beeinträchtigen.
- Bei Patienten mit allergischem Asthma kann es nach der Impfung innerhalb der folgenden Tage zu einer geringen Erhöhung der sogenannten unspezifischen bronchialen Hyperreaktivität kommen. Dies äußert sich in einem trockenen Husten. Die Inhalation eines bronchialerweiternden Sprays (Salbutamol Dosier-Aerosol) kann bei Bedarf empfohlen werden, wenn es sich nur um eine kurze, über 24 Stunden anhaltende Reaktion handelt. Sollte der Husten länger anhalten, so wird die Inhalation eines Kortisonpräparates zweimal täglich regelmäßig für die Dauer von sieben Tagen empfohlen.
2. Können durch die Impfung neue Krankheiten bei mir ausgelöst werden, zum Beispiel Neurodermitis oder Asthma durch den Impfstoff?
Prof. Zuberbier: Nein, dies ist prinzipiell nicht möglich.
3. Besteht ein Allergierisiko bei Gesunden, die bisher keine allergische Reaktion hatten?
Prof. Zuberbier: Es besteht kein erhöhtes Allergierisiko auf den Impfstoff. Grundsätzlich können lokale und allgemeine Nebenwirkungen auftreten, die nicht auf einer allergischen Grundlage beruhen.
Die lokalen Reaktionen sind:
- Rötungen der Haut um die Einstichstelle, Schwellungen der Unterhaut und Verhärtungen, die bis zu 5 cm groß werden können, und lokalen Schmerzen. Alle diese Reaktionen verschwinden ohne Therapie innerhalb weniger Tage und sind selten. Eine Kühlung der Impfstelle mit feuchtem Handtuch oder Kühlpack ist hilfreich.
- Impfabszesse, die bei korrekter Impftechnik äußerst selten vorkommen. Sie werden ausgelöst durch eine bakterielle Verunreinigung der Kanüle an der Spritze, die zu einer Infektion im Muskel an der Impfstelle führt.
Die allgemeinen Nebenwirkungen sind:
- Anstieg der Körpertemperatur bis zu 38 oder 39 Grad Celsius. Diese Reaktion tritt relativ häufig, das heisst bei bis zu 5 % der Geimpften auf und belastet das Allgemeinbefinden kaum. Bei Unruhe oder Schmerzen (bei Kindern) kann ein Fieber-Zäpfchen helfen.
- Müdigkeit nach der Impfung über einen Zeitraum von bis zu zwei Tagen. Diese Reaktion tritt häufig, das heisst bei bis zu 10 % der Geimpften auf. Es ist keine Behandlung notwendig.
Die Europäische Stiftung für Allergieforschung - ECARF wurde 2003 gegründet. Die gemeinnützige Stiftung hat ihren Sitz an der Charité - Universitätsmedizin Berlin und engagiert sich speziell in der Forschung, Diagnostik und Therapie von Allergien. Leiter ist Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier. ECARF vergibt kostenfrei ihr Gütesiegel für allergikerfreundliche Produkte und Dienstleistungen.
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