Am
ersten April-Wochenende hat die Birkenpollensaison explosionsartig
begonnen. „Für Birkenpollenallergiker – das sind immerhin über
13 Prozent der Gesamtbevölkerung – beginnt jetzt die Leidenszeit
mit Niesen, Fließschnupfen, juckenden Augen oder sogar Atemnot“,
warnt Professor Dr. Hans F. Merk, Allergologe aus Aachen und
Vizepräsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA).
Bereits jeder Dritte Deutsche ist allergiekrank – viele davon
chronisch.1
Menschen mit Heuschnupfen haben außerdem ein hohes Risiko,
zusätzlich an Asthma bronchiale zu erkranken.2,3
„Trotzdem wird nach unserer Schätzung zurzeit nur etwa jeder
zehnte Allergiker in Deutschland korrekt behandelt“, bedauert Merk.
Um
eine bessere Versorgung auch allergiekranker Patienten soll es bei
den Verhandlungen in Berlin zwischen den Kassenärztlichen
Vereinigungen (KVen) und den Krankenkassen gehen, die am 20. April
2009 fortgesetzt werden. Der ÄDA, der die niedergelassenen
Allergologen vertritt, fordert, dass bundesweit eine
Zusatzvereinbarung für allergologische Behandlungen zu den
Leistungen der Regelversorgung erfolgt. Gegenwärtig wird dies so nur
in Baden-Württemberg praktiziert. „Wir hoffen, dass nach diesen
Verhandlungen allergologisch tätige Ärzte in allen Bundesländern
die Unterstützung für ihre Patienten erhalten, die sie für deren
bessere Versorgung dringend benötigen“, betont Merk.
Die
ursächlich wirkende spezifische Immuntherapie kann beispielsweise
bei etwa 90 Prozent der Heuschnupfenkranken die Beschwerden über
Jahre verbessern und das Asthmarisiko senken. „Sicherlich ist diese
Therapie zunächst kostenintensiv. Aber ohne eine adäquate
fachärztliche Behandlung droht dem Allergiker eine Chronifizierung
seiner Erkrankung, die für das Sozialsystem erst recht ein Mehr an
Kosten bedeutet“, erklärt der Vizepräsident des ÄDA.
Jetzt
starker Pollenflug trotz langem Winter
Von
einer kompletten fachärztlichen Betreuung könnten rund 20 Millionen
Heuschnupfenkranke profitieren. Für sie hat die Leidenszeit auch in
diesem Jahr wieder früh begonnen: Bereits seit Ende Januar fliegen
die Haselnusspollen und mit den ersten warmen Sonnentagen auch die
Birkenpollen. „Während der Pollenflug von Hasel und Erle in den
tieferen Lagen mittlerweile schon abklingt, verzeichnen wir nun in
den meisten Bundesländern einen starken Flug von Birkenpollen“,
berichtet Dr. Christina Koppe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in
Freiburg. In Bochum seien am 4. April einige Tausend Birkenpollen in
die Falle geflogen, in der Landeshauptstadt Berlin waren es über 300
Pollen. Der DWD definiert üblicherweise einen „starken“
Birkenpollenflug, wenn über 50 Pollen an einem Tag in der
Messstation gezählt werden.
1 Weißbuch Allergie in
Deutschland, 2. Auflage. DGAKI, ÄDA, DAAU (Ring J, Fuchs T,
Schultze-Werninghaus G, Hrsg.), Urban und Vogel, München 2004. ISBN
3-89935-182-7
2 Bachert C: Die allergische
Rhinikonjunktivitis. Allergologie 2005; 28(2):45-52
3 Merk HF, Ott H:
Allergie-Taschenbuch. ABW-Verlag, Berlin, 2008
Quelle:
Prof.
Dr. Hans F. Merk, Hautklinik
der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen