207 posts categorized "Asthma bronchiale"

01. März 09

Jetzt ist Zeit für Hyposensibilisierung gegen Ambrosia

Ambrosia-Pollen sehr aggressiv / Hohes Asthmarisiko

Höchste Zeit ist es jetzt nicht nur für die spezifische Immuntherapie (SIT) bei Gräserpollenallergie, sondern auch für Patienten, die auf Ambrosia allergisch reagieren. Eine SIT kann sich wegen der starken Aggressivität dieser Pollen besonders lohnen.

Noch bis vor wenigen Jahren waren in Deutschland Patienten, die im Prick-Test positiv auf Ambrosia (Traubenkraut) reagierten, eine Rarität. "Das hat sich jetzt schlagartig geändert", sagte Professor Torsten Zuberbier von der Charité Berlin zur "Ärzte Zeitung".

Eine europäische Studie, an der auch zwei deutsche Zentren, nämlich das Allergie-Centrum in Berlin und in München beteiligt waren, hat ergeben, dass 14  Prozent der Patienten mit Verdacht auf allergische Rhinitis hierzulande gegen Ambrosia sensibilisiert sind.

Die aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze entfaltet in Europa zunehmend ihr Allergiepotenzial. In der Hauptblütezeit von August bis September findet man die Pflanzen in Gärten, Wildäckern, Schnittblumenfeldern, auf Baustellen und an Straßenrändern. Es handelt sich nach Angaben von Zuberbier um ein sehr aggressives Allergen. Daher könne sich bei den Betroffenen aus dem Heuschnupfen rasch Asthma entwickeln.

Zuberbier: "Aus den USA wissen wir, dass bereits ein Viertel bis ein Zehntel der sonst üblichen Pollenzahl ausreicht, um klinische Beschwerden hervorzurufen."

Patienten mit Ambrosia-Allergie sollten wie andere Pollenallergiker mit modernen, nicht sedierenden Antihistaminika und bei Bedarf mit Kortikoid-Nasensprays behandelt werden, empfiehlt der Berliner Allergologe. Aufgrund der starken Aggressivität der Ambrosia-Pollen sei zusätzlich eine SIT zu erwägen. Hilfreich könne es außerdem sein, wenn Patienten die Pflanze gegebenenfalls mit Schutzhandschuhen rechtzeitig aus dem eigenen Garten entfernen.

Quelle: aerztezeitung.de

21. Februar 09

Fastfood: Kindern bleibt die Luft weg

Leben Sie in einem Wohnviertel mit vielen Fastfoodlokalen? Dann sei Ihnen angeraten, ernsthaft über eine Verlegung Ihres Wohnsitzes nachzudenken.

Zumindest, wenn es nach den Forschern der Universität von Michigan geht. Laut einer aktuellen Studie steigt nämlich das Risiko eines Schlaganfalls mit der Zahl der Fastfood-Restaurants in der Nachbarschaft. Menschen, in deren Wohnviertel viele solcher Schnellbrätereien liegen, haben demzufolge ein um 13 Prozent höheres Risiko für einen ischämischen, durch eine Blutung ausgelösten Hirninfarkt als Personen, in deren Umgebung solche Restaurants kaum vorkommen.

Ebenfalls in der Studie berücksichtigt wurden auch demografische und wirtschaftliche Faktoren der jeweiligen Gegend. "Diese Daten zeigen einen tatsächlichen Zusammenhang", betont der Neurologe und Studienautor Lewis Morgenstern, der die Ergebnisse in San Diego präsentiert hat. Ob sich das Risiko aber wegen der Inhaltsstoffe erhöht oder Fastfoodlokale nur auf ungesunde Viertel hinweisen, bleibt zu untersuchen.

Asthma wegen Fastfood

Dass übermäßiger Konsum von Fastfood wiederum das Asthma-Risiko bei Kindern erhöhen kann, darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin unter Berufung auf eine weitere aktuelle US-Studie hin. So seien Kinder, die von der Mutter gestillt wurden, meistens gegen Asthma geschützt; allerdings könnte dieser Schutzeffekt der Muttermilch wieder aufgehoben werden, wenn der Nachwuchs im Verlauf der Kindheit zu viel Fastfood isst.

Die Forscher untersuchten mehr als 700 Kinder, von denen 246 unter der chronischen Atemwegserkrankung litten. Warum aber Fastfood die Asthma-Neigung erhöhen kann, ist ungeklärt. Als Ursache werden Mangelernährung und Fettleibigkeit vermutet.

Quelle: Wiener Zeitung

11. Februar 09

Behandlung einer Refluxerkrankung bei Kindern kann Asthmabeschwerden deutlich lindern

Etwa zwei Drittel der Kinder mit

Asthma

leiden zugleich an starkem Sodbrennen bzw. der so genannten Refluxkrankheit (im Englischen auch GERD = gastroesophageal reflux disease genannt). Diese steht im Verdacht, mit der asthmatischen Erkrankung in ursächlichem Zusammenhang zu stehen und deren Entwicklung voranzutreiben. Allerdings können die asthmatischen Beschwerden der Betroffenen durch eine zielgerichtete Behandlung der Refluxerkrankung deutlich verringert werden. Darauf weisen die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie hin, die im November auf der Jahreskonferenz des American College of Allergy, Asthma and Immunolgy in Seattle vorgestellt wurde.

In der Untersuchung am West Jefferson Medical Center in New Orleans mit 62 Asthmatikern im Alter zwischen 6 und 11 Jahren wurde bei 44 der Kinder eine Refluxkrankheit festgestellt. Daraufhin erhielten die GERD-positiven Patienten zusätzlich eine medikamentöse oder operative GERD-Therapie, die restlichen 18 Asthmatiker ohne Reflux wurden wie gehabt weiter behandelt. Zwei Jahre später erlitten die gegen Reflux behandelten Kinder nur noch höchstens einen Asthma-Anfall pro Jahr, während bei unbehandelten Kindern mit Reflux durchschnittlich bis zu drei Anfälle pro Jahr auftreten können. Die gegen Reflux behandelten Kinder wiesen auch eine bessere Lungenfunktion auf als unbehandelte Patienten und benötigten über Jahre hinweg weitaus weniger Asthma-Medikamente. Insbesondere Kinder mit chronischem Asthma, bei denen keine bekannten Risikofaktoren vorliegen und die trotz der regelmäßigen Einnahme von effektiven Asthma-Medikamenten keine Verbesserung erzielen, sollten auf Reflux untersucht und bei positivem Befund entsprechend behandelt werden.

Bei Patienten mit Reflux wird der Übergang zwischen Magen und Speiseröhre nicht vollständig durch den Pförtnermuskel abgeriegelt, so dass scharfe Magensäure beim Aufstoßen ungehindert in die Luftröhre aufsteigen kann. Neben Schleimhautreizungen und Schädigungen der Speiseröhre können die Magensäuretröpfchen, die von den Betroffenen beim Aufstoßen eingeatmet werden, auch zu Veränderungen des Immunsystems führen. Durch das chronische Einatmen von Magensäuretröpfchen über längere Zeit hinweg kann das Immunsystem schließlich entgleisen, was das Risiko für die Entwicklung eines Asthmas bronchiale erhöht.

Quelle: Kinderaerzte im Netz

03. Februar 09

Einstellung der Eltern beeinflusst Asthma-Kontrolle ihres Kindes

Etwa ein Drittel der Kinder mit chronischem Asthma haben ihre Krankheit weniger gut unter Kontrolle, als es eigentlich möglich wäre. Dabei spielt die Überzeugung der Eltern, ob sich das Asthma ihres Kindes in den Griff bekommen lässt, offenbar eine entscheidende Rolle und beeinflusst ganz wesentlich, wie gut es dem Kind mit seiner Krankheit letztendlich geht. Darauf weisen die Ergebnisse einer aktuellen wissenschaftlichen Studie aus den USA, für die 754 Kinder mit chronischem Asthma im Alter zwischen 2 und 12 Jahren und deren Eltern interviewt wurden. Asthmatische Beschwerden bei den Kindern traten umso häufiger auf, je weniger ihre Eltern davon überzeugt waren, dass sich die Erkrankung gut kontrollieren lässt.

Konsequente Therapie ist wichtig

Die Kinder hatten auch umso häufiger Asthma-Beschwerden, je unregelmäßiger sie ihre Asthma-Medikamente eingenommen hatten. Bei der Befragung der Eltern stellte sich dann heraus, dass viele von ihnen Asthma als eine vorübergehend auftretende Krankheit betrachten - anstelle einer chronischen Erkrankung, was sie eigentlich ist. Mit dieser falschen Überzeugung tendieren Eltern aber dazu, nur dann therapeutische Maßnahmen zu ergreifen, wenn die Krankheit Beschwerden macht, also offensichtlich Bedarf besteht. So werden die so genannten Bedarfsmedikamente nur dann eingenommen, um zum Beispiel nach Kontakt mit einem Asthma-Auslöser, der sich nicht verhindern ließ, die Symptome abzumildern. Es ist aber auch ohne auftretende Beschwerden erforderlich, gegen die chronische Entzündung der Bronchien, die dem Asthma zu Grunde liegt, medikamentös vorzugehen. Bei regelmäßiger Einnahme der sogenannten Kontroller-Medikamente, die entzündungshemmend wirken, werden die Patienten dann auch auf unerwartet auftretende Asthma-Auslöser weniger gravierend reagieren – das heißt, sie haben insgesamt weniger Beschwerden und ihr Asthma besser unter Kontrolle.

Quelle: Kinder- & Jugendärzte im Netz

23. Januar 09

Zentrum für schweres allergisches Asthma in Bad Lippspringe eröffnet

Die wissenschaftliche und medizinische Kompetenz im Bereich Allergien zeichnet den Gesundheitsstandort Bad Lippspringe seit langer Zeit aus. Mit der Eröffnung eines Zentrums für schweres allergisches Asthma wurde jetzt ein weiterer Kompetenz-Meilenstein gesetzt.

Verortet ist das Zentrum in der zum Medizinischen Zentrum für Gesundheit (MZG) gehörenden Karl-Hansen-Klinik. Deren Chefarzt, Prof. Dr. Hans Schweisfurth, sieht einen deutlichen Bedarf an medizinischer Kompetenz im Bereich allergisches Asthma: „Viele Menschen leiden an allergischem Asthma. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge ist das Leiden vererbbar. Durch unsere Erfahrungen in diesem Bereich sind wir in der Lage, dort weiter zu helfen, wo Andere nicht weiterkommen.“

Ein Beispiel für allergisches Asthma ist der „Etagenwechsel“ beim Heuschnupfen. Dabei greift die Entzündung der Schleimhaut im Nasen-Rachen-Raum auf die unteren Atemwege über und bedingt dort das Asthma. Innerhalb mehrerer Jahre kann sich dann ein so genanntes Pollenasthma entwickeln.

Häufig reagieren die Betroffenen auch auf weitere Allergene und die Auslöser verstärken sich. Es entsteht das schwere allergische Asthma.

Prof. Dr. med. Hans Schweisfurth stellte das Konzept "Netzwerk schweres allergisches Asthma Bad Lippspringe" vor.

Zum MZG gehören neben der Karl-Hansen-Klinik das die Allergie- und Asthma-Klinik und das Allergie-Dokumentations- und Informationszentrum (ADIZ).



09. Dezember 08

Asthma: Mehr Wissen - weniger Notfälle?

Asthma-Studie der Universität Witten/Herdecke abgeschlossen / Fortbildungen kamen bei Ärzten und Praxisteams gut an

477 Ärzte, 255 Arzthelferinnen und 250 Patienten - So lautet die nüchterne Zahlenbilanz des Studienteams der medizinischen Fakultät an der Universität Witten/Herdecke zum Abschluss der so genannten L.I.S.A.-Studie. Mit L.I.S.A., der Leitlinien-Implementierungs-Studie Asthma, wurden Haus- und Kinderärzten in Nordrhein-Westfalen die Empfehlungen der aktuellen ärztlichen Leitlinie Asthma nahe gebracht. Der Hintergrund: Leitlinien kondensieren aktuelles und wissenschaftlich basiertes Wissen zu Handlungsempfehlungen für Ärzte. Von denen werden sie aber oft nicht wahrgenommen.

Wie erfahren Ärzte eigentlich von neuen Behandlungskonzepten?

"Dann muss man sie eben in die Arztpraxen bringen", sagten sich die Wissenschaftler der Universität und entwickelten Schulungen für Ärzte und Medizinische Fachangestellte, früher "Arzthelferinnen" genannt. Mit Unterstützung der Bundesärztekammer besuchten sie fortan ärztliche Qualitätszirkel in NRW um die Leitlinienempfehlungen mit den Kollegen zu diskutieren: Wie werden die Schweregrade bei Asthma festgelegt? Welche Medikamente haben einen langfristigen Nutzen bewiesen? Wie lauten die aktuellen Empfehlungen beim Notfall? Und: Was tun, um den Betroffenen mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen? Zusätzlich zu den Fortbildungsveranstaltungen bekamen die Mediziner Zugang zum internetbasierten E-Learning der UWH. Hier konnte, wer wollte, sein Wissen weiter vertiefen.

Während die Ärzte von Arztkollegen geschult wurden, trafen sich die Arzthelferinnen mit einer spezialisierten Medizinischen Fachangestellten der Universität, um mehr über die Asthma-Erkrankung und den richtigen Umgang mit ihr zu lernen. Dabei wurde die korrekte Bedienung der Untersuchungs-Geräte in den Praxen genauso geübt wie der Gebrauch der verschiedenen Asthmasprays und -Inhaliergeräte.

Dieser Wissenstransfer war eingebunden in die eigentliche Studie: Ärzte und Arzthelferinnen bearbeiteten vor und nach den Schulungen Fragebögen um ihr Asthma-Wissen zu testen. Derzeit werden die etwa 2000 Fragebögen ausgewertet, um den Wissenszuwachs zu messen und zu vergleichen.

Und was haben die Patienten davon?

Profitieren die Patienten von den aufwändigen Schulungen ihrer Therapeuten? Das ist die zentrale Fragestellung der L.I.S.A.-Studie. Die Hypothese lautet: Die Umsetzung der Leitlinien-Empfehlungen in den Haus- und Kinderarztpraxen führt zu einem Rückgang der Notfälle bei den Asthma-Betroffenen. Diese Hypothese wurde durch etwa 500 Telefoninterviews geprüft, bei denen die Patienten Auskunft über ihre Erkrankung gaben. Die Studien-Auswertung ist noch in Arbeit. "Wir haben den Eindruck, dass die meisten Ärzte in vielen Teilbereichen bereits entsprechend der Leitlinien-Empfehlungen gehandelt haben, ohne die eigentliche Leitlinie zu kennen. Bei anderen Themen, etwa der Notfalltherapie, gab es aber große Diskrepanzen", sagt der Studienleiter und Internist Nik Koneczny.

Überrascht war das Studien-Team von der hohen Teilnahmebereitschaft der nordrhein-westfälischen Niedergelassenen. Koneczny: "Wir haben ursprünglich nur mit halb so vielen Arztpraxen gerechnet. Offensichtlich kamen das Thema und das Fortbildungsangebot gut an. Allen Teilnehmern möchten wir auf diesem Weg für´s Mitmachen noch mal herzlich danken!"

Informationen & Kontakt: www.AsthmaWissen.de
Studienleitung: N. Koneczny Tel: 02302-926-717, LISA@evidence.de

Wissenschaftlicher Hintergrund:
Die L.I.S.A.-Studie (Leitlinien-Implementierungs-Studie Asthma) ist eine kontrollierte Interventionsstudie der Universität Witten/Herdecke mit den Projektpartnern Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) und Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), gefördert durch die Förderinitiative der Bundesärztekammer zur Versorgungsforschung. Im Zeitraum von März 2007 bis Juni 2008 wurden 477 Allgemein- und Kinderärzte in ihren ärztlichen Qualitätszirkeln zur evidenzbasierten und leitliniengerechten Asthma-Diagnostik und Therapie geschult. Nachfolgend wurde den Teilnehmern eine Schulung des Praxisteams und ein internetbasiertes CME-E-learning angeboten. Inhaltliche Grundlage war die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Asthma. Gemessen wurden Wissenszuwachs und Verhaltensänderung bei Ärzten und Arzthelferinnen sowie ungeplante Arztkontakte (Notfälle) und Wissenszuwachs/Verhaltensänderung bei den Patienten mittels Telefoninterviews. Ziel der L.I.S.A.-Studie ist die Erprobung und Evaluation unterschiedlicher Leitlinien-Implementierungs-Strategien in einem primärärztlichen Setting in Deutschland.

Quelle: idw-online.de

08. November 08

Asthma-Prävention durch Eltern

Zur Prävention von Asthma gibt es inzwischen einige vielversprechende Ansätze. Dazu gehören etwa eine allergenarme Ernährung von Frauen während Schwangerschaft und Stillzeit sowie Impfkonzepte, wonach Kinder mit Substraten geimpft werden, mit denen Bauernkinder gehäuft konfrontiert sind. Diese haben bekanntlich seltener Asthma als andere Kinder. Aber das ideale Konzept ist bisher noch nicht gefunden worden.

Ein neuer Ansatz zur Asthma-Prävention könnte eine Gentherapie sein. Denn französische Forscher haben in einer aktuellen Studie den engen Zusammenhang zwischen Veränderungen des Chromosom 17q21 und einem erhöhten Asthma-Risiko bei Kleinkindern bestätigt. Ob es eine geeignete Gentherapie zur Asthma-Prävention aber jemals geben wird, steht noch in den Sternen.

Sofort umsetzbar ist aber eine Maßnahme, die Kinder zwar nicht 100-prozentig vor Asthma schützt, aber das Risiko erheblich senkt: der Verzicht auf Rauchen, wenn man in einem Haushalt mit Kindern lebt. Wie effektiv das ist, hat sich jetzt erneut bestätigt. In der französischen Studie war das Risiko, in den ersten vier Lebensjahren an Asthma zu erkranken, wesentlich höher, wenn zu Genmutationen auch noch Passivrauchen hinzukam.

Quelle: Ärztezeitung (Ingrid Kreutz)

JAKO-O Aktionen

Rauchen steigert Effekt des Asthma-Gens

Hohes Asthma-Risiko bei Chromosomenveränderung plus Passivrauchen

Bei Kindern mit Mutationen im Chromosom 17q21 ist das Risiko, innerhalb der ersten vier Lebensjahre Asthma zu entwickeln, deutlich erhöht. Noch viel größer ist das Erkrankungsrisiko nach aktuellen Studiendaten, wenn solche Kinder in einem Haushalt mit Rauchern aufwachsen.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Florence Demenais aus Paris hat insgesamt 1511 Personen - 708 Elternteile und 803 Kinder - aus 372 Familien auf Veränderungen im Chromosom 17q21 untersucht. Aus einer früheren Studie gab es bereits Hinweise, dass Mutationen in diesem Gen mit einem erhöhten Asthma-Risiko einhergehen. Ermittelt haben die französischen Wissenschaftler in ihrer aktuellen Untersuchung darüber hinaus das Rauchverhalten in den Familien (NEJM 359, 2008, 1985).

Die Ergebnisse: Signifikant erhöht war das Asthma-Risiko bei elf Genvarianten im Chromosom 17q21. Besonders stark war die Assoziation mit der Atemwegserkrankung bei den Genvarianten rs8069176, rs2305480 und rs4795400. Erhöht war das Asthma-Risiko bei Menschen mit 17q21-Mutationen aber lediglich bis zum vierten Lebensjahr, danach nicht mehr. Bei Menschen, die homozygot waren für solche Mutationen, war das Asthma-Risiko innerhalb der ersten vier Lebensjahre um den Faktor 1,7 oder mehr erhöht im Vergleich zu Personen mit anderen Genvarianten.

Bei Menschen, die bereits in der frühen Kindheit mit Rauchern zusammenlebten, war das Asthma-Risiko um den Faktor 2,3 erhöht. Bei Personen, die heterozygot waren für 17q21-Mutationen und früh zu Passivrauchern wurden, war das Risiko um das 1,9fache höher als bei Personen, die nicht in der frühen Kindheit mit Rauchern in einem Haushalt lebten.

Quelle: Ärztezeitung

05. November 08

Asthma-Therapie: Keine Belege für Zusatznutzen der Fixkombinationen

Studien liefern ähnliche Ergebnisse wie bei getrennter Gabe der Einzelkomponenten / Abschlussbericht zu Ergänzungsauftrag liegt vor
         

Nicht alle Patienten mit Asthma bronchiale sind mit Kortikosteroiden (ICS) ausreichend behandelt. Für sie kommt eine Kombinationstherapie mit lang wirksamen Beta-2-Rezeptoragonisten (LABA) in Betracht. Die beiden Substanzgruppen können getrennt, mit zwei Inhalatoren eingenommen werden. Seit einigen Jahren gibt es aber auch Kombinationspräparate, bei denen ein Gerät beide Wirkstoffe in einem festen Mischungsverhältnis abgibt. Von diesen Fixkombinationen profitieren Patienten aber nicht stärker als von den Einzelgaben der gleichen Wirkstoffe, wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) jetzt festgestellt hat. Der am 4. November 2008 publizierte Abschlussbericht bestätigt die Ergebnisse einer bereits 2007 vorgelegten Nutzenbewertung. Das Institut hat diese erweitert und aktualisiert, weil inzwischen eine neue Wirkstoffkombination auf den Markt gekommen war und eine ältere Kombination eine erweiterte Zulassung erhalten hatte.

Foster, Inuvair und SMART-Schema in Bewertung einbezogen

Den Nutzen für den Patienten macht das IQWiG unter anderem daran fest, ob sich die Schwere der Asthmasymptome und die Anzahl akuter Verschlechterungen der Erkrankung (Exazerbationen) verringern, ob Patienten seltener ins Krankenhaus oder zum Arzt müssen und ob eine der Therapie-Varianten weniger unerwünschte Nebenwirkungen hat. Zu den Zielgrößen gehören auch gesundheitsbezogene Lebensqualität, körperliche Belastbarkeit sowie Einschränkungen bei Aktivitäten des täglichen Lebens.

Der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beauftragte und im April 2007 abgeschlossene IQWiG-Bericht hatte lediglich die beiden Fixkombinationen aus Budesonid und Formoterol (Handelsname: Symbicort) und aus Fluticason und Salmeterol (Handelsnamen: Viani und Atmadisc) mit der jeweils getrennten Inhalation der gleichen Wirkstoffe sowie die Fixkombinationen untereinander verglichen. Im Ergänzungsauftrag kam auch die später zugelassene Kombination aus Beclometasondipropionat und Formoterol (Handelsnamen: Foster, Inuvair) auf den Prüfstand.

Erstmals bewertet wurde auch der Einsatz von Budesonid und Formoterol (Symbicort) in der Erhaltungs- und Bedarfstherapie (Herstellerbezeichnung SMART). Als das IQWiG im Juli 2005 mit der ersten Bewertung begonnen hatte, war diese Kombination lediglich für die Erhaltungstherapie zugelassen. Auch bei dem Ergänzungsauftrag des G-BA verglichen die Wissenschaftler nicht nur fixe und freie Kombinationen der Wirkstoffe, sondern wogen auch den Nutzen der verschiedenen Fixkombinationen gegeneinander ab.

Fixkombinationen sind Gabe von Einzelkomponenten nicht überlegen

Insgesamt konnten die Wissenschaftler 16 Studien in die Bewertung einbeziehen. Sie kommen zu der Schlussfolgerung, dass ein Zusatznutzen einer der beiden Darreichungsformen nicht nachweisbar ist. Werden die gleichen Inhalationssysteme verwendet, liefern die verfügbaren Studien für die fixe und für die freie Kombination von Budesonid/Formoterol und Fluticason/Salmeterol in der Gesamtschau vielmehr ähnliche Ergebnisse. Für die neue Kombination Beclometasondipropionat/Formoterol fehlen bislang entsprechende Studien. Dies gilt für Jugendliche und Erwachsene ebenso wie für Kinder.

Auch was den Vergleich der Fixkombinationen untereinander betrifft, gibt es bei Jugendlichen und Erwachsenen bislang weder Hinweise noch Belege dafür, dass Patientinnen und Patienten von einem Produkt mehr profitieren könnten als von einem anderen.

Eine Ausnahme gilt hier lediglich für Budesonid/Formoterol in der Erhaltungs- und Bedarfstherapie (SMART, Hersteller: Astra Zeneca), d.h. in der Anwendung, für die der Hersteller eine erweiterte Zulassung erhalten hatte. Hier gibt es Hinweise, dass bei Erwachsenen seltener schwere akute Verschlechterungen (Exazerbationen) auftreten als unter Salmeterol/Fluticason (Hersteller: GlaxoSmithKline). Das Institut stellt diesen Befund jedoch unter einen Vorbehalt, da unklar ist, ob für die Nutzenbewertung alle bislang durchgeführten Studien zur Verfügung standen. Denn zusätzliche, bislang nicht verfügbare Daten, könnten auch das Ergebnis der Bewertung infrage stellen.

Schwere Exazerbationen sind die einzige Zielgröße, bei der sich ein Vorteil für Budesonid/Formoterol (SMART) andeutete. Bei allen anderen Endpunkten, etwa der Asthmasymptomatik, der Lebensqualität oder unerwünschten Ereignissen, zeigen auch die bereits veröffentlichten Daten keine Unterschiede zur Fixkombination Fluticason/Salmeterol.

Bei Kindern gibt es keine Vergleiche zwischen den verschiedenen Fixkombinationen.

Nicht alle Herstellerfirmen kooperationsbereit

Um in die Nutzenbewertung möglichst alle vorhandenen Studienergebnisse einbeziehen zu können, recherchierte das IQWiG nicht nur in Literatur-Datenbanken, sondern auch in öffentlichen und firmeneigenen Studienregistern und bat Hersteller um Informationen zu klinischen Vergleichen, deren Ergebnisse nicht oder nur teilweise öffentlich zugänglich sind. Sowohl die Firma GlaxoSmithKline (Salmeterol/Fluticason) als auch die Firma Asche Chiesi (Beclometasondipropionat/Formoterol) schlossen mit dem IQWiG zu Beginn der Bewertung eine Vereinbarung ab, in der sie sich bereit erklärten, alle Studien, die sie mit ihren Präparaten durchgeführt haben, offenzulegen und bislang unveröffentlichte Daten zur Verfügung zu stellen. Damit verbunden war auch die Erlaubnis, diese im Vorbericht zu dokumentieren. Alle Angaben, die das IQWiG daraufhin erbat, wurden von den beiden Firmen auch geliefert.

Dagegen lehnte es die Firma Astra Zeneca ab, eine Vereinbarung zur Übermittlung und Veröffentlichung von Herstellerdaten zu unterzeichnen. Beim Ergänzungsauftrag war das ebenso der Fall wie bei der ersten Bewertung. Da der Hersteller auch keine Liste aller bislang durchgeführten Studien zur Verfügung stellte, ist unklar, ob alle relevanten Studienergebnisse in die Bewertung einfließen konnten. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass die Datenbasis des Berichts unvollständig ist. Im Zuge der Berichtserstellung stellte sich auch heraus, dass das Unternehmen bereits bei einer Anfrage anlässlich der ersten Nutzenbewertung falsche Angaben gemacht hatte: Astra Zeneca hatte verschwiegen, dass zum damaligen Zeitpunkt zwei weitere Studien bereits abgeschlossen und ausgewertet waren.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG Anfang Juni 2008 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Unklare Aspekte aus den Stellungnahmen, die zum Vorbericht beim IQWiG eingingen, wurden bereits Ende Juli 2008 mit den Autoren in einer mündlichen Erörterung diskutiert. Anschließend wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht im September 2008 an den Auftraggeber versandt. Ein Wortprotokoll der Erörterung sowie die schriftlichen Stellungnahmen werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert.

Quelle: idw online

29. Oktober 08

Bei Schwangeren lohnt sich Fortsetzen der Asthmatherapie

Eine Asthmatherapie, etwa mit Beta-2-Mimetika oder topischen Kortikoiden, sollte während der Schwangerschaft fortgesetzt werden.

Denn: Die Vorteile der Vermeidung eines Asthmaanfalls überwiegen bei weitem die Nachteile durch mögliche seltene unerwünschte Wirkungen der verfügbaren Asthma-Medikamente. Darauf weisen Professor Adrian Gillissen vom Klinikum St. Georg in Leipzig und Professor Heinrich Worth vom Klinikum Fürth hin (Dtsch Med Wochenschr 133, 2008, 1977).

Ein instabiles Asthma mit Exazerbationen gefährdet die Schwangere und das ungeborene Kind. In Studien war ein unzureichend eingestelltes Asthma häufig mit Präeklampsie und niedrigem Geburtsgewicht (unter 2500 g) assoziiert. Außerdem kommt es bei instabilem Asthma vermehrt zu Schwangerschaftserbrechen, Hypertonie, intrauteriner Wachstumsverzögerung und Frühgeburten.

Quelle: Ärztezeitung

18. Oktober 08

Medikation bei Asthma je nach Zusatzrisiken

Asthmatiker mit allergischer Rhinokonjunktivitis profitieren von Leukotrien-Rezeptor-Antagonist

.

Die Schwere des Asthma bronchiale bei der Erstvorstellung in der Praxis sagt nur wenig darüber aus, welche medikamentöse Strategie bei dem betreffenden Patienten am besten zur Asthma-Kontrolle geeignet ist.

Das hat Professor J. Christian Virchow auf dem Kongress der European Respiratory Society in Berlin betont. Zusätzliche Faktoren könnten dazu aber Hinweise liefern. Eine Studie hat nach Angaben des Pneumologen ergeben, dass etwa Asthma-Patienten mit einer zusätzlichen allergischen Rhinokonjunktivitis deutlich besser auf eine Kombination von Montelukast (10 mg/d) (Singulair®) und Budesonid (2 x 400 μg/d) ansprechen als auf die Verdopplung der Steroiddosis (2 x 800 μg/d Budesonid). In der PRAACTICAL-Studie ließ sich der additive Effekt bei Patienten mit leichtem und mittelschweren Asthma und Rhinokonjunktivitis auch langfristig aufrecht erhalten.

Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor für ein besonders schwer kontrollierbares Asthma. Auch diese Patientengruppe könnte besonders von der Therapie mit dem Leukotrien-Antagonisten profitieren, berichtete Virchow bei einem von MSD unterstützten Symposium. Eine Studie mit 44 asthmakranken Nichtrauchern und 39 mäßigen Rauchern belege, dass Raucher im Unterschied zu Nichtrauchern deutlich besser auf Montelukast ansprechen als auf inhalative Kortikoide.

Eine zusätzliche Behandlung mit Montelukast könnte auch eine Option für Patienten sein, deren Asthma sich nur unzureichend mit inhalativen Kortikoiden oder lang wirksamen Beta-Mimetika kontrollieren lässt. In einer Studie wird gerade bei 1681 Erwachsenen mit schlecht kontrolliertem leichten bis mittelschweren Asthma untersucht, ob die zusätzliche Anwendung von Montelukast (10 mg/d) die Asthmakontrolle und die Lebensqualität bessert. Die Ergebnisse der Studie werden im kommenden Jahr veröffentlicht.

Quelle: Ärztezeitung

17. Oktober 08

Erfolg mit Akupunktur bei Asthma

Bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma kann eine Akupunktur-Behandlung zusätzlich zur Standardtherapie offenbar die Symptome verringern. Das hat eine Studie mit 85 Patienten ergeben.

An der Fachklinik Sylt erhielten 43 Kinder und Jugendliche mit Asthma während der Reha zusätzlich zur üblichen Therapie einschließlich Klimatherapie eine Akupunktur-Behandlung. Es erfolgten zwölf Sitzungen von je 30 Minuten über vier Wochen, und zwar nach standardisiertem Nadelschema (DZA 2, 2008, 8). Die Patienten der Kontrollgruppe nahmen lediglich an einem Gruppengespräch zu Akupunktur bei Asthma teil. Ergebnis: Bei gleichbleibender oder reduzierter Medikation zeigt sich eine nach Akupunktur deutlich reduzierte Häufigkeit morgendlicher Atemnot sowie ein tendenziell positiver Einfluss auf die Angstempfindung.

Quelle: Ärztezeitung

03. Oktober 08

Schulprojekt weckt Bewusstsein für Asthma

Um die Vorbeugung von Asthma an Schulen zu fördern, gibt es in Hamburg ein neues Schulprojekt. Damit solle nicht nur das Wissen von Schülern und Lehrern gefördert werden, sondern auch das Bewusstsein für Asthma geweckt werden, so das Unternehmen AstraZeneca, das das Projekt fördert. Unterstützt wird das Projekt auch von der Ärztekammer Hamburg.

www.asthma-verstehen.de

Quelle: Ärztezeitung

01. Oktober 08

Landleben schützt schon Ungeborene vor Asthma

Das Landleben schützt offensichtlich bereits ungeborene Kinder vor Asthma. Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft Kontakt zu Tieren, Getreide oder Heu hatten, bekommen im späteren Leben seltener allergische Atemweg- und Hauterkrankungen.

Für einen optimalen Schutz vor diesen Beschwerden sei aber ein anhaltender Kontakt zu Nutztieren oder Getreide nötig. Das berichten Wissenschaftler aus Neuseeland und Deutschland im "European Respiratory Journal" (32, 2008, 603).

Aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass Kinder, die sich häufig auf dem Land aufhalten, seltener unter allergischen Erkrankungen leiden. Vor allem der Verzehr frischer Kuhmilch und der Aufenthalt in Kuhställen wurde für den beobachteten Schutz verantwortlich gemacht. Das Phänomen wurde als Bauernhof-Effekt bekannt. Dr. Jeroen Douwes von der Massey Universität in Wellington in Neuseeland und seine Mitarbeiter bestätigten mit ihrer Untersuchung nun zunächst, dass Kinder von Bauern tatsächlich seltener an Asthma und ähnlichen Allergien erkranken als Stadtkinder.

Darüber hinaus ergab ihre Befragung von insgesamt 2509 Bauernfamilien und 1001 Stadtfamilien, dass die schützende Wirkung bereits während der Schwangerschaft auf die ungeborenen Kinder übertragen wird. Wie das geschieht, ist bisher unklar. Die Kinder litten jedenfalls deutlich seltener an Asthma, Heuschnupfen und sogenannten atopischen Ekzemen. Am stärksten reduzierte sich das Risiko für Kinder, die selbst später auch auf dem Land lebten.

Quelle: Ärztezeitung

30. September 08

Asthma-Kontrolle - da sind vor allem Hausärzte gefordert

Bei Asthmatikern, besonders bei Kindern, bestehen Versorgungsdefizite: Immer noch gibt es Todesfälle oder Behinderungen nach schweren Anfällen.

Mehr als 2100 Asthma-Tote waren es nach dem Statistischen Bundesamt noch im Jahr 2004. Der Remscheider Pneumologe Dr. Harald Mitfessel wertet das als Zeichen für immer noch bestehende Defizite in der Asthmatherapie. Dies habe mit der häufig schlechten Compliance und Schulung der Patienten zu tun, aber auch sehr viel mit Fehlern in der Diagnostik, bei der Therapie und bei der Führung der Patienten.

"Nicht mal 50 Prozent der Kinder, die wegen eines Asthmaanfalls notfallmäßig im Krankenhaus behandelt werden, bekommen anschließend Kortikoide verordnet", kritisierte Mitfessel bei einer Veranstaltung des Unternehmens Janssen-Cilag in Frankfurt am Main. Immer noch höre man Sätze wie: "Bis zur Pubertät regelt sich das."

"Wir können gar nicht genug betonen, dass die Asthma-Therapie eine lebenslange Therapie sein muss." Inhalative Kortikoide (ICS), die von Pneumologen als Basistherapeutika ersten Ranges angesehen werden, um die chronische Entzündung zu mindern und Umbauvorgänge in der Lunge zu vermeiden, werden noch zu wenig verschrieben oder von den Patienten oft weggelassen. Dabei wird der insgesamt zu beobachtende Rückgang der Asthma-Todesfälle von manchen Experten in einem ursächlichen Zusammenhang mit der ICS-Dauertherapie gesehen.

Immer wieder gibt es Kinder, die wegen Atemproblemen drei bis vier Mal pro Jahr ins Krankenhaus müssen, weil das Asthma schlecht kontrolliert ist oder die Diagnose übersehen wird. Vor allem jedoch in der Frühdiagnostik sieht Mitfessel die Kinder- und Jugendärzte in der Pflicht. Denn nur sechs bis 13 Prozent der Patienten mit Atemwegserkrankungen würden direkt beim Lungenspezialisten diagnostiziert.

Bei Kindern, die sehr oft husten, die älter als ein Jahr sind und auffällige Auskultationsbefunde aufweisen, müsse unbedingt die Lungenfunktion geprüft werden. "Die Auskultation und der Lungenfunktionstest müssen etabliert werden", fordert der Pneumologe, auch wenn dies personal- und zeitaufwendig sei und schlecht honoriert werde. So wie EKG-Geräte heute vielfach Teil der Standardausrüstung sind, gehöre ein Spirometer ebenso dazu. Davon sei man aber weit entfernt, obwohl jeder dritte Patient, der einen Arzt konsultiert, eine Atemwegserkrankung hat.

Von Hausärzten verlangen Pneumologen wie Mitfessel, Asthmapatienten gut zu führen und die Kontrolluntersuchungen adäquat vorzunehmen. Dabei reiche nicht die Frage, ob es denn gut gehe mit dem Asthma. Dies führe oft zu Antworten, die den Arzt beruhigten. Frage man konkret nach, erhalte man plötzlich ganz andere Antworten, so Mitfessel - etwa, wenn es um die Belastbarkeit der Patienten, um Asthmasymptome sowie den Gebrauch von Notfallmedikamenten gehe.

Für die Praxis empfehlenswert sei der Asthmakontrolltest ACT™ mit lediglich fünf Fragen. Den Test gibt es für Erwachsene und für Kinder. Er ist im Internet abrufbar. 2005 war der Test bei 170  000 Teilnehmern validiert worden. Ergebnis: 63 Prozent der Patienten hatten kein gut kontrolliertes Asthma.

Die Selbsteinschätzung der Patienten ist meist deutlich positiver, so Mitfessel. Das habe auch die AIRE-Studie ergeben. Deshalb sei weiterhin Aufklärung erforderlich, um die Ziele der Global Initiative for Asthma (GINA) zu erreichen: so gut wie keine Symptome, keine Anfälle, minimaler Notfalltherapiebedarf, keine Einschränkungen im täglichen Leben und normale Lungenfunktionswerte.

Quelle: Ärztezeitung

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