Auch Singles schlafen nicht
alleine. Sie teilen ihr Bett mit tausenden winzigen Tierchen. Im
feucht-warmen Schlafzimmer fühlen sich Hausstaubmilben und
Schimmelpilze nämlich besonders wohl. Für Gesunde kein Problem, können
Allergiker auf die Mitbewohner starke Beschwerden entwickeln. Um Asthma
zu verhindern, müssen sie die ständige Belastung mit den Allergenen in
ihren Schlafräumen konsequent reduzieren.
Für Menschen mit
einer Allergie gegen Hausstaubmilben oder Schimmelpilze beginnt mit der
Heizperiode eine Leidenszeit. Sie atmen die im Hausstaub abgelagerten,
durch die warme Heizungsluft aufgewirbelten Allergenpartikel ein. Der
Schnupfen oder Husten, der sich daraufhin einstellt, wird oft mit einem
„normalen“ Infekt verwechselt und bleibt häufig untherapiert. Eine
unterschätzte Gefahr, denn gerade bei Innenraumallergien, wie die gegen
Milben, scheint das Risiko einer Ausbreitung allergischer Symptome auf
die Lunge besonders hoch zu sein. Chronisches Asthma droht.
Mitbewohnerin Hausstaubmilbe
In
unseren Pölstern, Tuchenten und Matratzen wimmelt es nur so von
mikroskopisch kleinen Spinnentierchen, den Hausstaubmilben. Sie lieben
das feuchtwarme Klima beheizter Räume und verzehren unsere
Hautschuppen, die wir täglich verlieren. Auch Kuscheltiere bieten den
Milben ideale Lebensbedingungen. Rund 1.000 Milben und bis zu 25.000
Kotbällchen dieser Tiere finden sich in nur einem Gramm Hausstaub.
Allergieauslösend
ist der eiweißhältige Milbenkot, der sich mit der Atemluft verbindet.
Rote, juckende Augen, eine verstopfte oder laufende Nase, Niesreiz
sowie Atemprobleme können die Folgen sein. Die Beschwerden sind nachts
und nach dem Aufstehen am stärksten.
Biotop für Pilze im Kopfpolster
Britische
Forscher haben entdeckt, dass auch Millionen Pilzsporen unsere Betten
besiedeln. Sie ernähren sich vom Milbenkot. Die Hausstaubmilben
wiederum benötigen die Pilze als „Verdauungshilfe“.
Drei Therapiesäulen

Die
Behandlung von Allergien umfasst im wesentlichen drei Möglichkeiten:
die medikamentöse Linderung der Symptome, die Bekämpfung der Ursache
(Hyposensibilisierung, „Allergie-Impfung“) und die Vermeidung bzw.
Reduktion von Allergieauslösern.
ALLERGENREDUKTION
Mit der
Beseitigung der Allergieauslöser sollte im Schlaf- bzw. Kinderzimmer
begonnen werden, weil die Allergiker ihnen hier stundenlang am
stärksten und längsten ausgesetzt sind.
Experten raten,
milbendichte Bettbezüge, sogenannte „Encasings“, zu verwenden. Sie
bilden eine Barriere gegen die Allergenpartikel in den Pölstern,
Tuchenten und Matratzen.
Milbendicht, schweißdurchlässig und
atmungsaktiv sind die Kennzeichen guter Encasings. Damit erfolgt zwar
eine umfassende Allergenreduktion, die alleinige Verwendung solcher
Überzüge genügt aber meist nicht, um die Beschwerden zum Verschwinden
zu bringen.
Die
Staubbelastung zu minimieren ist oberstes Gebot. Das bedeutet weg mit
Staubfängern wie Teppichböden, Polstermöbeln und nicht waschbaren
Vorhängen. Ideal sind leicht zu reinigende Möbeln und aufwischbare,
glatte Fußböden. Kann auf Teppiche nicht verzichtet werden, lassen sich
diese mit speziellen Sprühlösungen behandeln, die die Milben durch
Austrocknung vernichten.
Ob die Nächte
beschwerdefrei und erholsam verlaufen, hängt eng mit dem Raumklima
zusammen. Die Luftfeuchtigkeit im Schlafbereich soll bei höchstens 40
bis 50% liegen, die Raumtemperatur 20º Celsius nicht übersteigen. Dann
fühlen sich die Milben nicht mehr wohl. Ergänzende Maßnahmen wie
häufiges Lüften und die Vermeidung von Tabakrauch (auch Passivrauch!)
verbessern die Situation der Allergiker weiter.
Leider sind die
Allergene sehr widerstandsfähig. Bettwäsche, Schlafsäcke und
Kuscheltiere sollen daher regelmäßig bei mindestens 60 Grad Celsius
gewaschen werden. Auch zwischenzeitliches Einfrieren der Plüschtiere
hilft.
Tierhaare
und Hautschuppen bevölkern nicht nur die Schlafplätze, sie haften auch
an der Kleidung. Diese sollte daher nicht im Schlafzimmer ausgezogen
werden, sonst freuen sich die Milben über die zusätzliche
Nahrungsquelle.
Ist ein Haustier
(v.a. Katzen) der Auslöser allergischer Beschwerden, muss dringend zu
einer Trennung von dem Hausgenossen geraten werden. Danach kann es
allerdings noch bis zu zwei Jahre dauern, bis die Tierallergene (Haare,
Hautschuppen) aus der Wohnung verschwunden sind.
Topf- und
Hydrokulturpflanzen haben in den Schlafräumen von Allergikern nichts
verloren. Sie setzen gerne Schimmel an. Befindet sich an den Wänden
Schimmel, müssen diese ab einem Befall von mehr als 0,5 m2 vom Fachmann
saniert werden.
SYMPTOMLINDERUNG und URSACHENBEKÄMPFUNG
Medikamente
ersetzen zwar nicht die Allergenvermeidung, sondern ergänzen sie nur,
Wirkstoffe wie Antihistaminika oder Kortison schwächen aber die
Allergiesymptome ab.
Eine gute
Chance, die Beschwerden nachhaltig zu bessern, bietet die spezifische
Immuntherapie (Allergie-Impfung). Dabei wird in regelmäßigen zeitlichen
Abständen eine definierte, über einen bestimmten Zeitraum gesteigerte
Dosis des Allergie-Auslösers injiziert oder unter die Zunge getropft.
So soll der Körper lernen, nicht mehr mit Krankheitssymptomen auf das
Allergen zu reagieren. Damit setzt die Immuntherapie an der Wurzel des
Übels an, sie bekämpft die Ursache der Allergie. Besonders effektiv
sind Allergie-Impfungen bei Insektengift- und Pollenallergien, sie
bringen aber auch gute Resultate bei Hausstaubmilben- und
Tierhaarallergien. Bei Asthmatikern kann damit der Kortisonbedarf durch
die Hyposensibilisierung um bis zu 90 Prozent reduziert werden.
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Quelle: www.meduniqa.at