Haarfärbemittel stehen
im Fokus der Aufmerksamkeit, seit die Auswertung epidemiologischer
Untersuchungen aus den USA aus dem Jahr 2001 Hinweise auf ein erhöhtes
Risiko von Harnblasenkrebs bei Frisören und Verbrauchern, die
Haarfärbemittel insbesondere aus der Zeit vor 1985 verwendet hatten,
lieferte. In der Folge initiierte die EU-Kommission eine systematische
Sicherheitsbewertung aller in Haarfärbemitteln verwendeten Substanzen
mit dem Ziel, eine Positivliste gesundheitlich unbedenklicher Stoffe zu
erstellen. Manche der kommerziell bedeutenden Substanzen, die in
Haarfarben verwendet werden, wirken darüber hinaus sensibilisierend und
können in der Folge allergische Reaktionen der Haut auslösen. Am
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin kamen rund 100
Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Behörden, Industrie,
Verbraucherverbänden und Medien zusammen, um den aktuellen
wissenschaftlichen Sachstand zu Krebsgefahr und Sensibilisierung zu
ermitteln und Forschungsbedarf zu diskutieren. "Ein Krebsrisiko durch
Haarfärbemittel besteht für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht",
sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Die
problematischen Substanzen seien seit vielen Jahren verboten.
"Forschungsbedarf besteht aber zum Problem der Allergien durch
Haarfärbemittel."
Rund ein
Drittel aller Frauen in Europa und Nordamerika färbt sich die Haare,
ebenso etwa zehn Prozent der Männer über 40 Jahre. Henna, die wohl
älteste Haarfarbe der Welt aus den Blättern und Sprossachsen des
Hennastrauches, wurde schon im 14. Jahrhundert v. Chr. von Frauen in
Ägypten benutzt. Als erstes kommerzielles Farbmittel kam 1907
para-Phenylendiamin - kurz PPD - auf den Markt. PPD hat stark
sensibilisierende Eigenschaften und kann Kontaktallergien auslösen. In
Haarfärbemitteln wird PPD als Vorstufe des Farbtons eingesetzt, die
eigentliche Farbe bildet sich in einer chemischen Reaktion mit so
genannten Oxidationskupplern im Haar. In Hautkliniken in Europa sind
drei bis fünf Prozent der Patientinnen und Patienten mit
Kontaktallergien gegenüber PPD sensibilisiert, allerdings wird
geschätzt, dass nur etwa ein Drittel dieser Fälle auf die Verwendung
von Haarfärbemitteln zurückzuführen ist. Für die übrigen könnten Farben
in Textilien und Leder sowie Henna-Tattoos die Ursache
sein. Aber auch klinisch-dermatologische Allergietests sowie die von
einigen Haarfärbemittel-Herstellern empfohlene Selbsttestung werden als
mögliche Faktoren für die Sensiblisierung diskutiert. Der Einsatz von
PPD in Haarfärbemitteln geht in Deutschland insgesamt zurück, die
Alternativen sind jedoch zum Teil ebenso problematisch.
Nach
den besorgniserregenden epidemiologischen Beobachtungen zu einem
möglichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Blasenkrebs und der
Nutzung von Haarfärbemitteln in den USA hat die EU ein breit angelegtes
Programm initiiert, das einerseits die Förderung epidemiologischer
Studien in Europa zum Ziel hat. Zum anderen wurde die Industrie
aufgefordert, durch Grundlagenforschung zur Aufklärung der chemischen
Vorgänge bei der oxidativen Haarfärbung beizutragen, um Konsequenzen
für die Sicherheitsbewertung ableiten zu können. Um eine Positivliste
gesundheitlich unbedenklicher Stoffe für Haarfärbemittel erarbeiten zu
können, musste die Industrie wissenschaftlich aussagefähige Dossiers
zur Sicherheitsbewertung der in Europa vermarkteten Haarfärbemittel
erstellen. Sie werden von einem unabhängigen wissenschaftlichen
Ausschuss bewertet. Nebenbei wurde in diesem Verfahren die Anzahl der
verwendeten Stoffe erheblich reduziert.
Die
Bewertung der bislang vorliegenden epidemiologischen Erkenntnisse zu
einem möglichen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und
Haarfärbemittelgebrauch ergibt kein einheitliches Bild. Die meisten
Experten halten die Datenlage für nicht ausreichend, um einen
eindeutigen statistischen Zusammenhang abzuleiten. Für Verbraucherinnen
und Verbraucher besteht kein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel, weil
die problematischen Substanzen bereits seit langem verboten sind.
Auf
dem BfR-Symposium zum Thema Haarfärbemittel wurden weitere aktuelle
Forschungsergebnisse vorgestellt, insbesondere zu Unterschieden im
Stoffwechsel bei der Aufnahme von Stoffen über die Haut im Vergleich
zur Aufnahme über die Nahrung. Diskutiert wurden auch neue methodische
Ansätze, ohne Tierversuche Aussagen zur Toxizität von chemischen
Substanzen abzuleiten. Die Sensibilisierung mit der Folge allergischer
Reaktionen durch Haarfärbemittel, insbesondere auch bei Frisörinnen und
Frisören, ist ein nach wie vor ungelöstes Problem, das weiterer
Grundlagenforschung bedarf.
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