Naturkosmetik boomt. Immer mehr Menschen wollen nicht nur "Bio" essen,
sondern auch an ihre Haut nur "Mutter Natur" lassen. Aber sind
Naturkosmetika wirklich besser verträglich? Und wie findet man gute
Qualität?
Der allgemeine Trend zu mehr Natürlichkeit lässt sich nicht nur an
der wachsenden Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ablesen. Auch die
Kosmetikindustrie wächst mit dem Bedürfnis der Verbraucher nach
Naturbelassenheit.
Eine große Rolle hierbei spielt sicher die Tatasche, dass Allergien
immer mehr zunehmen. Man geht davon aus, dass fünf bis zehn Prozent der
rund 30 Millionen Allergiker in Deutschland auf Zusätze wie Farb- und
Konservierungsstoffe reagieren. Sie stellen deshalb zwangsläufig
besonders hohe Ansprüche an Pflegeprodukte. Daneben gibt es auch eine
große Gruppe an Verbrauchern, die sich grundsätzlich nicht mehr als
nötig mit Schad- und Zusatzstoffen belasten wollen.
Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik
Natürlich bringt der immer größer werdende Markt auch eine Reihe
schwarzer Schafe hervor: So werden oft auch konventionelle
Kosmetik-Produkte als Naturkosmetik ausgewiesen, nur weil ihnen ein
paar Tropfen Pflanzenextrakte oder pflanzliche Öle beigemengt wurden.
Das Problem für den Verbraucher: Es gibt nach wie
vor keine rechtsverbindliche Definition für das, was Naturkosmetik
ausmacht; der Begriff ist zudem nicht geschützt. Die Verbraucher sind
in der Regel darauf angewiesen, die Deklaration der Inhaltsstoffe zu
studieren, die nach der geltenden Kosmetikverordnung auf der Packung
stehen müssen. Nicht immer ganz leicht, denn sie stehen dort häufig auf
Englisch, viel zu klein oder unleserlich. Viele Laien haben auch ganz
einfach Schwierigkeiten mit der Fachterminologie.
Qualitätslabel schaffen Orientierung
Eine wichtige zusätzliche Orientierung bieten die
Qualitätslabel der Hersteller, die man auf den Verpackungen finden
kann. In Deutschland am häufigsten zu finden sind das Label Kontrollierte Naturkosmetik BDIH
sowie das
neuform-Label.
Kontrollierte Naturkosmetik BDIH:
Die im Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für
Arzneimittel, Reformwaren und Körperpflegemittel e.V (BDIH)
organisierten Naturkosmetikhersteller haben einheitliche
Qualitätsstandards und Richtlinien zur Herstellung von Naturkosmetik
aufgestellt. Das BDIH-Label gilt als das Label mit den höchsten
Qualitätsansprüchen.
neuform:
Das neuform-Warenzeichen (auch: "Drei-Häuser-Logo" genannt) taucht auf
Kosmetikprodukten auf, die ausschließlich über das Reformhaus
vertrieben werden. Das Qualitätszeichen für Kosmetikprodukte wird durch
die "neuform Vereinigung Deutscher Reformhäuser" vergeben. Die
Einhaltung der Kriterien wird sowohl durch die Hersteller selbst als
auch durch unabhängige Prüfinstitute kontrolliert.
Die Vergabe der genannten Label ist an besondere
Kriterien gebunden, die von Label zu Label etwas differieren. Die
gemeinsamen Kernpunkte besagen:
- In den Tuben und Tiegeln sollen
nur Naturstoffe
stecken, also Stoffe pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs. Dabei sollen pflanzliche Rohstoffe möglichst aus
kontrolliert biologischem Anbau
sein, tierische Rohstoffe nur von lebenden Tieren stammen (z.B. Wollfett oder Bienenwachs); es finden
keine Tierversuche
statt.
-
Verzichtet wird
auf hautreizende, Allergien auslösende Inhaltsstoffe, wie synthetische
Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe, auf alle Paraffine, Silikone und
andere Erdölprodukte. Außerdem auf den Einsatz gentechnisch veränderter
Rohstoffe.
- Besonderer Wert wird auf
umweltgerechte Herstellungsverfahren,
sparsame, umweltverträgliche und recyclingfähige Verpackungen und nachwachsende sowie gut abbaubare Rohstoffe gelegt.
Wichtig: Erlaubt ist
allerdings bei allen Labels der Einsatz naturidentischer
Konservierungsstoffe (z.B. Benzoesäure, Salicylsäure, Sorbinsäure), die
auf der Packung mit dem Zusatz "Konserviert mit" nachzulesen sein
müssen.
Beispiele "Body Shop" und "Spinnrad"
Wer nach wirklicher Naturkosmetik schaut, sollte sich auch nicht von
Filialisten wie "Body Shop" oder "Spinnrad" täuschen lassen. Beiden
hängt ein ökologisches Image an, sie sind jedoch keine wirklichen Naturkosmetik-Hersteller. Bei
"Spinnrad" achtet man zwar bei der Auswahl der Rohstoffe auf
ökologische Kriterien, es wird aber keine Naturkosmetik im eigentlichen
Sinne hergestellt. Das trifft auch auf die Firma "Body Shop" zu: Ihre
Produkte sind sozialverträglich hergestellt und bieten dem Verbraucher
"naturnahe" Produkte, aber diese sind nicht grundsätzlich frei von
synthetischen Hilfsstoffen, wie zum Beispiel Konservierungsstoffen oder
Emulgatoren. Hervorzuheben ist allerdings deren Kampagne gegen
Tierversuche in der Kosmetikindustrie, womit "Body Shop" sich deutlich
vom Rest der konventionellen Branche abhebt.
Naturkosmetik - Garant für gesunde Haut?
Qualitäts-Label bieten Orientierung bei der unübersichtlichen Produktvielfalt.
Kritiker
der Naturkosmetik weisen vor allem darauf hin, dass auch "pure Natur"
nicht immer sanft wirkt. Denn auch Naturstoffe können, ähnlich wie
synthetisch hergestellte Stoffe, Allergien auslösen. Besonders
berüchtigt sind in diesem Zusammenhang Stoffe wie Ringelblume,
Propolis, Lorbeer, Teebaumöl oder Lanolin (Wollfett der Schafe).
Als
ungünstig für empfindliche Haut kann sich auch der Alkohol-Gehalt
vieler Bio-Produkte erweisen oder der Zusatz von ätherischen Ölen.
Deren Duft kann übrigens auch dafür verantwortlich sein, dass
Naturprodukte als unangenehm und aufdringlich empfunden werden.
Problematisch: Verzicht auf Konservierungsstoffe
Bei
einigen Naturkosmetikprodukten wird auf den Einsatz von
Konservierungsstoffen verzichtet. Dadurch können die Produkte anfällig
für Keimbefall werden, was wiederum zu Reizungen auf der Haut oder gar
zu Infektionen führen kann. Deshalb sollten die Produkte mit erhöhter
Achtsamkeit angewandt werden:
- Cremes in Tiegeln werden besser mit einem Spatel, als mit den Fingern entnommen, damit keine Keime hineingelangen.
- Die Produkte sollten keinen zu heftigen Temperaturschwankungen ausgesetzt werden (optimal: 18 bis 10 Grad Celsius).
- Natürlich
sollte man die Mindesthaltbarkeit beachten. Ist das Produkt bereits
geöffnet, zeigt das Symbol eines geöffneten Tiegels die Verfallsangabe
nach der Öffnung an.
- Grundsätzlich sollten Naturkosmetika
eher zügig aufgebraucht werden. Verändern sich Konsistenz oder Geruch
auffällig, wird die Creme besser weggeworfen.
Fazit
Man
kann nicht sagen, dass Naturkosmetika grundsätzlich besser verträglich
sind, als synthetisch hergestellte Kosmetika. Da auch bei ihnen
allergische Reaktionen nicht auszuschließen sind, lohnt sich ein
vorheriger Verträglichkeitstest.
Wer aber
ausschließlich an Produkten mit natürlichen Inhaltsstoffen interessiert
ist, für den sind Produkte, die den Kriterien einer der genannten
Labels genügen, in jedem Fall die richtige Wahl. Sie stehen u.a. für
hohe Qualität in der Gewinnung und Verarbeitung der Kosmetikrohstoffe
und sind frei von schädlichen Zusatzstoffen.
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Quelle: www.ard.de