Die warme Schokolade fließt langsam
über den Körper, bedeckt das ganze Gesicht und verbreitet einen
angenehm süßlichen Geruch. Was klingt wie ein Traum eines Kindes, ist
in Wirklichkeit ein aktueller Trend in der Wellnessbranche:
Schokolade wird nicht gegessen, sondern gleich löffelweise für
Massagen, Kosmetikprodukte, Peelings und Ganzkörperpackungen genutzt.
Bundesweit bieten zahlreiche Hotels, Wellnesszentren, Beautyfarmen
und Kosmetiksalons diese Luxus-Behandlungen an - mit Erfolg:
Schließlich kann man so Schokolade genießen, ohne dick zu werden.
«Schokolade ist in der Wellness-Branche seit einiger Zeit in Mode
gekommen», bestätigt der Dermatologe Hans Meffert aus Berlin. Immer
mehr seiner Patienten erzählen ihm von ihren Erfahrungen mit der
dunkelbraunen Masse. «Eine junge Frau hat mir beispielsweise
berichtet, wie schön sie es fand, mit warmer Schokolade massiert zu
werden und wie gut sie sich dabei gefühlt habe.»
Die Angebote dafür sind vielfältig. In einem Hotel in Bad Nenndorf
beispielsweise bietet Andrea Gröne eigenen Angaben zufolge Peelings,
Massagen und Packungen mit heißer Schokolade an. Auch Kosmetikfirmen
haben laut dem Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse
(VKE) in Berlin Kakaobutter in einige Körperpflegeprodukte integriert
sowie Schoko-Masken entwickelt.

Die Idee hinter den Behandlungen mit der braunen Süße ist einfach:
Die Kakaobohne enthält ähnlich wie andere Naturprodukte verschiedene
Inhaltsstoffe, denen gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben
werden. «Ein Teil der Nuss besteht beispielsweise aus Kakaobutter,
die wie andere Butter sehr fettig ist und gerne für bestimmte Cremes
verwendet wird», erklärt Hans-Ulrich Jabs vom Deutschen Wellness
Verband. «Außerdem enthält Schokolade noch den Glücksboten Serotonin,
den Wach- und Muntermacher Phenylethylamin sowie Antioxidantien wie
Polyphenole, die krebserregende Radikale fangen», ergänzt der
Biochemiker und Facharzt für innere Medizin aus Nottuln bei Münster.
Die Anbieter der Schokoladen-Wellness verweisen darüber hinaus auf
das im Kakao enthaltene Theobromin, das das Herz stimulieren soll,
sowie auf die Erfahrungen der Mayas und Azteken. So sollen schon die
Mayas Kakaobutter als Basis für Wundsalben und zur Behandlung von
Fieber, Herz- und Atembeschwerden benutzt haben.
Doch ob die Inhaltsstoffe der Kakaobohne ihre Wirkung auch
tatsächlich durch die Haut entfalten können, ist fraglich.
«Kakaobutter kann wie andere Fette die Haut pflegen und geschmeidig
machen», sagt Dermatologe Meffert. «Doch es gibt keine
wissenschaftlich abgesicherten Studien, die belegen, dass
Schokoladenbehandlungen auch tiefer gehende Wirkungen haben.»
Der Biochemiker Jabs ergänzt: «Schokoladenbehandlungen sprechen in
erster Linie das kindliche Bedürfnis des Menschen an, sich zu
bekleckern und einmal richtig in Schokolade zu wälzen.» Einen
weiterführenden, gesundheitsfördernden Wert spricht der Experte den
Kakao-Anwendungen jedoch ab. «Das Problem ist, dass die Schokolade
gar nicht durch die Haut eindringt, da sie die natürliche
Schutzbarriere nicht überwinden kann», erklärt der Mediziner. «Damit
die Wirkstoffe aber ihren Effekt erzielen können, müssen sie die Haut
durchdringen.»
Einigen Menschen könnte die Behandlung mit Schokolade sogar
schaden. «Das Risiko ist zwar insgesamt klein, doch Kakao enthält oft
auch Nickel - und das ist eines der häufigsten Allergene in
Deutschland», weiß Hautarzt Meffert. Somit könnte Kakao auf der Haut
bei einigen Menschen eine Allergie auslösen. Gleiches gilt für Nüsse,
die häufig in Schokolade enthalten sind. Auch gegen sie sind
zahlreiche Männer und Frauen allergisch. «Außerdem hat man bemerkt,
dass Schokolade Neurodermitis aufflammen lassen kann», sagt Meffert.
«Das könnte möglicherweise selbst durch entsprechende äußerliche
Anwendungen ausgelöst werden.»
Dennoch sind Behandlungen mit der kalorienreichen Süße weiterhin
beliebt. «Der Genuss von Schokolade führt über die Ausschüttung von
Serotonin zu Glücks- und Zufriedenheitsgefühlen, steht aber
gleichzeitig auch in dem Ruf, dick zu machen», sagt Experte Jabs. Mit
der Schokoladenmassage beispielsweise werde in der Werbung jedoch
suggeriert, dass Glücksgefühle ohne Gewichtszunahme zu haben seien.
Das würde laut Jabs auch erklären, warum die Schokoladenmassagen fast
ausschließlich von Frauen nachgefragt werden.
Der Mediziner Meffert hebt zudem den Luxus-Aspekt hervor. «In
Schokolade zu versinken, muss man sich erst einmal leisten können»,
sagt er. «Daher hat eine solche Behandlung auch eine große soziale
Komponente, weil man der Umgebung zeigen kann, wie gut es einem
finanziell geht.»
Wer seiner Haut jedoch nicht einfach nur Luxus bieten, sondern
sich einmal wie Kleopatra fühlen will - für den hat Meffert einen
ganz simplen Tipp: «Man kann seiner Haut etwas sehr Gutes tun, indem
man einen Teelöffel Olivenöl mit einem Viertel Liter Milch mischt und
mit Hilfe eines Schneebesens so lange verquirlt, bis keine Fettaugen
mehr zu sehen sind. Wenn man diese Menge anschließend ins Badewasser
gibt, bindet sich das Öl an die Haut und pflegt sie wunderbar.»
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Quelle: www.mz-web.de