Wer den Eindruck hat, er sei Wohngiften ausgesetzt, sieht sich oft vor
komplizierten Problemen: Da ist zunächst einmal die Frage mit einem
Arzt zu klären, woher die gesundheitliche Belastung überhaupt kommt.
Ist das eingekreist, heißt es, zu analysieren, von wo die Belastung
ausgeht.
Raumluft
zum Beispiel: Als Ursache kommen Lösemittel, Pestizide und andere
giftige oder schwer abbaubare Chemikalien in Frage. Quelle von
Lösemitteln sind meist Bau-, Kunststoff- und Isoliermaterialien,
Wandverkleidungen, Lacke, Kleber, Verdünner, Bodenbeläge, chemisch
gereinigte Kleider und neue lackierte oder verklebte Möbel. Besonders
problematisch sind Baukastenmöbel, deren Einzelteile in der Fabrik
luftdicht verpackt und erst zu Hause zusammengebaut werden. Weitere
Ursachen für belastete Raumluft: Tabakrauch, Duftspender,
Raumluftsprays und chlorierte Kohlenwasserstoffe, die aus
Spezialreinigern für Marmor- und Steinfußböden entweichen.
Im Hausstaub
lagern sich Insektensprays, Holzschutzmittel, Weichmacher und
Flammschutzmitteln ab, sogar verbotene Substanzen wie PCB, PCP und DDT.
Ursachen sind oft Balken und Bretter in Altbauten, die mit chlorierten
Pestiziden behandelt wurden, umweltschädliche Kitte, Dichtungen und
Platten oder Weichmacher in PVC-Belägen.
Nicht nur für die Bausubstanz, sondern auch für den Menschen gefährlich ist Schimmel.
Schimmel bildet sich, wenn Feuchte sich an kühlen Stellen wie
Fensterlaibung, Decke, hinter Bildern, Vorhängen und Möbeln sammelt. Zu
erkennen ist der gelbe oder schwarze Pilz schon am muffigen Geruch.
Wer
Wohngiften auf die Spur kommen will, muss nicht sofort teure Gutachter
ins Haus holen. Die Stiftung Warentest bietet Vebrauchern für 108 Euro
eine „Umweltanalyse Luft“ an, die vor allem Lösemittel in der Raumluft
aufspürt. Das Testset für Aldehyde kostet 98 Euro. Der Kunde erhält
Röhrchen („Passivsammler“), die er eine Zeit lang aufstellt und an die
Stiftung schickt. Eine „Umweltanalyse Hausstaub“ kostet - je nach
Umfang - 90 oder 128 Euro. Der Bestellung der Tests fügt man einen
ausgefüllten Fragebogen bei mit Angaben zu Heizung, Böden, Wänden,
Decke und Einrichtung.
Das hessische Institut für Analytik und
Beratung verlangt für einen Wohngift-Check 93,50 Euro. Der Kunde
schickt die selbst genommenen Proben ein und erhält per Post eine
Analyse. Schimmel-Test und Legionellen-Untersuchung des Warmwassers
kosten jeweils 39,50 Euro. Wer mehrere Räume untersuchen will, braucht
entsprechend mehr Tests. Die Probesets sind auch über das Internet zu
bestellen.
Wer mit Gutachter arbeiten will, zahlt etwa 80 Euro
die Stunde. Erste Adresse sind Baubiologen, die den Raum begutachten.
Der Baubiologe lässt die Proben in einem Labor untersuchen, stellt
danach eine Diagnose und vermittelt kompetente Handwerker. Das kann bei
einem Schimmelschaden der Maurer oder Maler sein, bei Schadstoffen in
der Wasserleitung der Installateur. Der Baubiologenverband warnt vor
schwarzen Schafen. „Jeder mit einem Messgerät in der Hand kann sich
Baubiologe nennen“, sagt Verbandssprecherin Martina Clemens-Ströwer.
Mitglieder im Berufsverband deutscher Baubiologen müssen Architekt,
Ingenieur oder Naturwissenschaftler sein, eine Zusatzausbildung und
drei Jahre Berufserfahrung vorweisen. Ein Gütesiegel ist auch die
Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft ökologischer
Forschungsinstitute e.V. (AGÖF). Adressen erhält man beim
Gesundheitsamt oder der Verbraucherzentrale.
„Im Winter häufen
sich vor allem die Probleme mit Schimmel“, sagt Christoph Drexler vom
Institut für Analytik und Beratung. „Die Kosten für die
Schimmelentfernung können bis zu mehreren tausend Euro betragen.“
Kleine oberflächliche Schäden durch zu hohe Luftfeuchtigkeit kann man
selbst beseitigen, und zwar mit 70- bis 80-prozentigem Ethylalkohol.
Handschuhe, Mundschutz und Schutzbrille sind Pflicht. In schweren
Fällen muss der Untergrund, zum Beispiel Tapete und Putz, beseitigt
werden.

Deuten Laborberichte auf starke Wohngifte hin, ist die
Investition in die Beseitigung unvermeidbar, erst recht, wenn Kranke
oder Kinder im Haus leben. Mieter können sich beim Vermieter meist
schadlos halten - es sei denn, sie haben den Schaden selbst verursacht,
zum Beispiel durch falsches Lüften. Sichtbare Schäden sollten Mieter
immer fotografisch dokumentieren.
Zum Marktplatz-Allergie.net
Quelle: www.rundschau-online.de